Was mich mein Jobwechsel gelehrt hat
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, oder? Zumindest habe ich das schon so oft gelesen. Bei mir trifft es insofern zu, dass ich schon eher jemand bin, der Strukturen im Tagesablauf schätzt und nicht zu viele neue Dinge auf einmal in seinem Leben mag. Dennoch habe ich im letzten Jahr etwas gemacht, was schon so lange auf meiner Liste für dringend nötige Veränderungen gestanden war: Ich habe nach über zwanzig Jahren meinen Arbeitgeber gewechselt. Wie es war und warum ich mittlerweile der Meinung bin, dass ich öfter mal Mut für eine Veränderung haben sollte, erzähle ich dir hier.
Mein Neuanfang war ein Prozess
Vielleicht schüttelst du jetzt den Kopf und wunderst dich, wieso hier ein Jobwechsel gleich einen eigenen Blogartikel bekommt. Denn so besonders ist das ja nun mal auch nicht.
Ja, da stimme ich dir zu. Aber ehrlich gesagt geht es mir vielmehr darum zu erzählen, wie ich es geschafft habe und was ich daraus für mich mitnehme. Ich bin sicher, dass es genügend Frauen gibt, denen es ähnlich geht wie mir. Die auch unzufrieden, sich aber noch nicht ganz sicher sind, ob ein Jobwechsel aktuell die richtige Entscheidung ist.
Denn gerade, wenn man Verantwortung trägt für eine Familie oder einen Kredit abbezahlen muss, wird man sich diesen Schritt nochmal gründlicher überlegen als mit Anfang zwanzig, wo man meistens noch ungebunden und frei ist. Daher denke ich ist es ganz normal, dass so eine Entscheidung ein längerer Prozess ist und nicht über Nacht getroffen wird.
Zumindest bei mir war es so. Ich war insgeheim schon lange nicht mehr zufrieden mit meiner beruflichen Situation. Was allerdings nicht mit meinem Arbeitgeber zusammenhing, denn das Team war toll, die Arbeit machte Spaß und es war über die Jahre hinweg nie ein Problem gewesen, wenn ich mal wegen meinen Kindern früher gehen oder ganz daheimbleiben musste. Es war einfach auf beiden Seiten eine Wertschätzung da, die ich als sehr angenehm empfunden hatte.
Die Unzufriedenheit kam seitens meiner persönlichen Situation, denn ich war Pendlerin und musste mit dem Auto in die Arbeit fahren. Und das keine Kurzstrecke, sondern knappe 65 km einfach. Das zwar nur an zwei Tagen pro Woche, aber nach all den Jahren habe ich gemerkt, dass mir selbst das zu viel wurde. Langandauernde Baustellen und der viele Verkehr haben mich einfach müde gemacht.
Ich wollte nicht so oft im Stau stehen oder alternativ über die Landstraßen fahren müssen und meine Zeit damit vergeuden. Ich wollte einfach gemütlich mit meinem Fahrrad in die Arbeit fahren können. Und ich wollte schnell bei meinen Kindern sein können, wenn sie mich brauchten.
Ich glaube es war Mai oder Juni im letzten Jahr, als ich wusste, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Ich habe gemerkt, dass mich das Pendeln einfach zu sehr beschäftigte, dass es zu viel Raum einnahm in meinem Kopf und ich diesen Zustand jetzt einfach ändern musste. Damit war mein persönliches Ziel, meine Vision klar: Ein Jobwechsel noch vor dem ersten Schneefall im Winter.
Und weißt du was? Am 1. Oktober bin ich zum ersten Mal mit dem Fahrrad in die Arbeit gefahren. Zu meinem neuen Arbeitgeber. Ich habe mein Ziel erreicht und kann dir nicht sagen, was das für ein tolles Gefühl war.
Ist mir diese Veränderung leichtgefallen? Nein.
War es leicht am Anfang? Nein.
Habe ich sie bisher bereut? Nein.
Bin ich daran gewachsen? Ja.
Würde ich es so nochmal machen? Ja.
Ich freue mich einfach, dass ich nach so langer Zeit der Unzufriedenheit endlich den Mut hatte, für mich eine Veränderung zu bewirken. Denn sind wir mal ehrlich: Manchmal ist es so viel bequemer, den Zustand so hinzunehmen, wie er ist. Auch wenn man genau weiß, dass es einem nicht gut geht damit. Das trifft auf so viele Situationen im Leben zu. In meinem Fall war es der Job, aber das kann auch bei Beziehungen, Freundschaften oder dem Wohnort sein. Und bei noch so vielem mehr.
Wie es konkret nach einer solchen Entscheidung weitergeht, ist ungewiss. Man weiß vorher nie genau, ob es wirklich so gut wird, wie man sich das erhofft oder vielleicht auch vorstellt. In manchen Fällen kann es nur besser werden, z. B. wenn man sich aus einer Beziehung befreit, in der man das Opfer von körperlicher oder seelischer Gewalt war. Oder von einem Job, der sich schon negativ auf die Gesundheit auswirkt, weil vielleicht die Arbeitsbedingungen so schlecht sind oder das Klima unter den Beschäftigten leider schwierig.
Eine Veränderung bedeutet immer, die Komfortzone zu verlassen. Sich rauszutrauen aus dem Bekannten, hinein ins Ungewisse. Und genau das ist es doch, was das Leben etwas aufregend macht. Man darf sich selbst neu kennenlernen. Man sieht andere Arbeitsweisen, lernt neue Leute kennen, erlebt eine bisher unbekannte Umgebung. Egal ob das ein Jobwechsel ist oder ein Umzug in eine fremde Stadt: Man wächst daran und erweitert seinen Horizont.
Ich habe zum Schluss einfach auf mein Bauchgefühl gehört und ganz darauf vertraut, dass ich schon die richtige Entscheidung treffen werde. Und ich bin froh, dass ich es gemacht habe.
Ich muss hier noch kurz erzählen, dass ich im Sommer passend zu meiner Situation das Buch „Scheiß auf die Glücksfee! Ich mach das jetzt selbst“* gelesen habe. Das war meine Urlaubslektüre und es hat perfekt zu meiner Stimmung gepasst. Das Buch hat mir wirklich die Augen geöffnet und mir eine andere Sichtweise auf mein Leben gegeben. Denn letztendlich bin ich diejenige, die sich darum kümmern muss, dass es mir gutgeht und dass ich einfach das beste Leben habe.
Und weil die ersten Wochen im neuen Job ehrlicherweise schon herausfordernd waren und ich lernen musste, geduldig mit mir zu sein, hat mich eine digitale Affirmationskarte begleitet, die ich mir als Sperrbildschirm auf meinem Handy eingestellt hatte:
Ich gehe meinen Weg in meinem Tempo.
Dadurch wurde ich immer wieder daran erinnert, geduldig mit mir selbst zu sein und zu akzeptieren, dass ich mich in meiner neuen Arbeitsumgebung erst zurechtfinden muss.
Diese gibt es mittlerweile als Set in unterschiedlichen Designs in meinem Etsy-Shop zu kaufen. Ich kann es dir nur ans Herz legen, denn in solchen Situationen sind Affirmationen wirklich sehr kraftvolle Begleiter.
Vielleicht macht dir dieser Artikel ein wenig Mut, endlich den Neuanfang zu wagen, über den du schon länger nachdenkst. Ich habe es ja auch geschafft. Lass es mich gerne wissen.
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Yesim (Montag, 23 März 2026 20:03)
Ich habe mich immer gefragt, was deine Beweggründe waren :). Jetzt ist mir einiges klar geworden. Man muss auch mal was neues wagen um wieder ein Stück zufriedener zu sein. Alles Liebe für dich!
Michaela (Donnerstag, 26 März 2026 20:35)
Liebe Yesim, herzlichen Dank für deine lieben Worte. Ja, ich bin mittlerweile auch der Meinung, dass eine Veränderung nicht immer schlecht ist. :) Liebe Grüße, Michaela