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Wenn das Kind dich als Mama benoten würde

Dafür bekommst du jetzt eine Note, Mama!

Für die meisten Kinder gehört es ab der Einschulung dazu, Noten für ihre erbrachten Leistungen zu bekommen. Wo es in den niedrigeren Klassen oft noch eine Krone gibt, sind es dann in den höheren die Noten von 1-6. Ob dieses System gut oder schlecht ist möchte ich hier nicht bewerten, denn da gehen die Meinungen wahrscheinlich sehr auseinander. In diesem Beitrag möchte ich auch nicht über die Schulnoten von Kindern sprechen, sondern dir die Frage stellen, ob du schon mal darüber nachgedacht hast, welche Note dir dein Kind geben würden? Für deine Leistung als Mama. Hört sich schräg an? Das mag sein, aber tatsächlich ist das ein Thema, das mich gerade etwas beschäftigt. Warum? Das erzähle ich dir hier.

Mama läuft links, rechts neben ihr sind ihre zwei Jungen. Alle sind von hinten zu sehen, sie laufen in einer Straße mit alten Gemäuern.

Die täglichen Herausforderungen von Eltern

Angefangen hat es damit, dass ich mich an einem Samstagabend mit meiner Freundin in unserem Stammcafé zum Essen getroffen habe. Das machen wir regelmäßig alle paar Wochen, um uns nicht aus den Augen zu verlieren. Wir wohnen einfach zu weit auseinander, um uns mal an einem Nachmittag auf einen Kaffee zu treffen. Das lässt auch unser Alltag leider nicht zu. Sie ist ebenfalls Mama, ihre Tochter ist im gleichen Alter wie mein älterer Sohn und wie du dir vorstellen kannst, gehen uns so die Gesprächsthemen schon mal nicht aus.

 

Jedenfalls hat sie mir bei unserem letzten Treffen erzählt, dass sie von ihrer Tochter erst wenige Tage zuvor eine Note bekommen hatte. Für ihr Verhalten als Mama in einer für sie (Tochter) nicht so angenehmen Situation. Die Note war befriedigend. Grob erklärt ging es darum, dass der Tochter etwas passiert war, wovor die Mutter sie vorher schon immer wieder eindringlich gewarnt hatte. Daraufhin war die Reaktion der Mutter nicht gleich so fürsorglich und mitfühlend, wie sich das die Tochter wahrscheinlich gewünscht hatte.

 

Ich möchte das hier jetzt überhaupt nicht bewerten, ich denke, solche Situationen kennt jeder, der Kinder hat. Man versucht, sie auf Gefahren hinzuweisen und sie dafür zu sensibilisieren, dass manche Dinge, die Spaß machen, auch ins Auge gehen können. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Man weist sie darauf hin, dass es keine gute Idee ist, mit dem Sessel durch den Wohnbereich, der zudem eine Dachschräge hat, zu turnen wie in einer Turnhalle und dass das Sideboard Kanten hat, die sehr weh tun können. Bei uns zu Hause sind leider auch schon ein paar Unfälle passiert, obwohl ich mein Kind exakt 10 Sekunden vorher noch genau davor gewarnt hatte. Und ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich diese Warnung vorher schon ausgesprochen hatte. Dass einem da vielleicht erst mal ein unbedachtes "Ich habe es doch gesagt!" rausrutscht, bevor man das Kind tröstend in den Arm nimmt und verarztet, ist nicht schön, das gebe ich zu. Aber manchmal spricht man es eben einfach schneller aus, als man nachdenken kann.

  

Aber um auf die Note meiner Freundin zurückzukommen: Mich hat dieses Thema am Tag nach unserem Treffen noch beschäftigt und ich habe mich immer wieder heimlich gefragt, welche Note ich denn von meinen Kindern bekommen würde. Und wonach würden sie überhaupt gehen?

Hellblaue Brotdose steht auf Holztisch, auf ihr liegt eine Affirmationskarte mit einer kleinen Schnecke drauf und dem Spruch ich schaffe das

Würden sie berücksichtigen, dass ich ihnen regelmäßig ihr Lieblingsessen koche? Ihnen jeden Morgen, wenn sie noch schlafen, liebevoll ihre Brotdosen für die Schule herrichte? Gemeinsam mit einer Affirmationskarte, die sie gut durch den Tag begleitet? Und dass ich mit ihnen schon seit so vielen Jahren auf dem Bolzplatz Bälle kicke?

 

Oder würde bei ihrer Benotung mehr ins Gewicht fallen, dass ich sie nicht so lange zocken lasse, wie sie das gerne machen würden? Und wie würden sie die Tatsache bewerten, dass Süßkram auch nur in rauen Mengen erlaubt ist? Und dass sie einfach manche Dinge noch nicht dürfen, die gleichaltrige vielleicht schon machen?

 

Puh, spätestens bei diesen Vergleichen ist mir klargeworden, dass ich in manchen "Fächern" wahrscheinlich eine nicht so gute Note von meinen Kindern bekommen würde. Einfach, weil ich Grenzen setze und damit meiner Verantwortung als Mama nachkomme.

 

Mama sein bzw. Eltern sein ist und bleibt meiner Meinung nach eine der größten Herausforderungen im Leben. Eine, auf die man sich aus meiner Sicht auch nicht so richtig gut vorbereiten kann. Und das bezogen auf alle Alters- und Entwicklungsstufen des Kindes. Natürlich, es gibt zahlreiche Ratgeber, die man lesen kann, viele gute Tipps von Fachpersonal in den Sozialen Medien und im Internet, es gibt Beratungsstellen, wo man sich Hilfe holen kann. Aber im Alltag ist es trotzdem nicht immer einfach, das Gelernte im richtigen Moment passend anzuwenden.

 

Ich gehe davon aus, dass die meisten Eltern immer das Beste für ihre Kinder wollen und geben. Dass sie möchten, dass es dem Kind gut geht und es einfach eine schöne Kindheit hat. Jedenfalls wünsche ich mir, dass es so ist. Aber unabhängig davon spielen doch auch so viele Faktoren mit rein, die unseren Alltag und unsere Stimmung beeinflussen. Und zwar nicht nur bei uns Eltern, sondern auch bei den Kindern. Die Jobs, die Familiensituation selbst, die Schule, der Freundeskreis, der Haushalt, Termine und weitere Verpflichtungen.

 

Ich rede von Situation wie dieser, wenn man z. B. mittags von der Arbeit nach Hause hetzt, angespannt ist, weil man dort vielleicht kurz vor Schluss noch Ärger mit einem wichtigen Kunden hatte und jetzt schnell Mittagessen kochen muss. Und dann kurze Zeit später schon das Kind an der Tür klingelt, mit äußerst schlechter Laune, weil es sich im Schulbus mit einem Mitschüler gestritten hatte.

 

Das ist nur eine von so vielen Situationen die es täglich gibt, in denen man als Eltern entweder richtig oder falsch reagieren kann. Oder eben gut und nicht ganz so gut. Wo einem das Kind vielleicht später eine eins, eine drei oder eine fünf geben würde.

 

Ich bin mittlerweile seit fast zehn Jahren Mama und habe in dieser Zeit gelernt, dass ich in dieser Rolle nicht perfekt sein muss. Dass ich auch mal falsch reagieren und laut werden darf. Dass ich getroffene Entscheidungen zurücknehmen kann. Dass ich mich für falsche Reaktionen bei meinem Kind aufrichtig entschuldigen kann. Dass ich ihm erklären kann, warum es mir vielleicht gerade zu viel war.

 

So sehen die Kinder, dass Fehler menschlich sind und man lebt ihnen vor wie es geht, Verantwortung für sein Verhalten zu übernehmen. Und sie spüren, dass auch mit einem Streit nie die Liebe zueinander in Frage gestellt wird. 

 

Jetzt, wo ich mir dieses Noten-Thema "vom Leib geschrieben" habe kann ich sagen, dass ich als Mama nicht das Ziel verfolge, eine eins von meinen Kindern zu bekomme. Das stufe ich einfach als nicht machbar ein. Allgemein möchte ich überhaupt nicht wissen, welche Note sie mir in den unterschiedlichen Situationen geben würden.

 

Vielmehr wünsche ich mir, dass sie wissen, dass ich immer für sie da bin, wenn sie mich brauchen. Dass ich sie immer unterstützen werde, so gut es mir möglich ist. Und dass ich sie einfach liebe. Auch wenn die Stimmung zwischendurch mal angespannt ist.

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